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Am Nord-Ostsee-Kanal

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Grau statt Grün: Ärgernis Schottergärten

Schottergärten liegen seit einigen Jahren bei Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzern im Trend. Insbesondere in den öffentlich einsehbaren Vorgärten gelten sie als pflegeleichte Alternative zu den liebevoll und aufwendig gepflegten „grünen Oasen“ hinter den Häusern.

Ökologisch gesehen und aus Klimaschutzsicht sind Schottergärten jedoch eine Katastrophe und werden in der Presse vermehrt auch als „Gärten des Grauens“ betitelt. Gesetzlich sind sie in Schleswig-Holstein und einigen anderen Bundesländern sogar verboten. In der Landesbauordnung für das Land Schleswig-Holstein (LBO) heißt es in § 8 Abs. 1. dazu:

Die nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind 1. wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und 2. zu begrünen oder zu bepflanzen, soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen. Satz 1 findet keine Anwendung, soweit Satzungen Festsetzungen zu den nicht überbauten Flächen treffen.

Der Nebensatz „soweit dem nicht die Erfordernisse einer anderen zulässigen Verwendung der Flächen entgegenstehen“ mag zu Spekulationen anregen, aber Schottergärten gelten definitiv nicht als „zulässige Verwendung“. Diese Formulierung bezieht sich auf planungsrechtlich zulässige Baumaßnahmen wie Gehwege, Zufahrten, Terrassenflächen oder Stellplätze.

Was genau fällt unter den Begriff „Schottergärten“?
Warum sind diese schädlich für unsere Umwelt?

Schottergärten sind Gartenflächen, die im Wesentlichen mit Splitt oder Schotter gestaltet werden und nur eine sparsame Bepflanzung aufweisen. Meistens wird für Schottergärten die obere Bodenschicht abgetragen und der Boden unter der Schotterschicht teilversiegelt, z. B. mit einem Vlies, einer Folie oder auch einer Betonschicht, um dem Unkraut Einhalt zu gebieten.

Diese Versiegelung des Bodens ist in mehrfacher Hinsicht – nicht nur ökologisch – bedenklich:

  • Wenn wasserundurchlässige Materialien unter dem Kies oder Schotter zum Einsatz kommen, kann das Regenwasser nicht versickern, sondern läuft ungehindert ab, es kann so nicht mehr den Grundwasservorrat auffüllen und zudem bei Starkregen auch zu Hochwasserschäden führen.
  • Die versiegelten „Gartenflächen“ heizen sich besonders im Sommer sehr schnell auf (auch dann, wenn wasserdurchlässige Folien verwendet werden) und geben in der Nacht entsprechend viel Wärme wieder ab, was zu einer deutlichen Erwärmung des Mikroklimas in der Stadt beiträgt.
  • Der Transport des (Bau-)Materials erfolgt oft über weite Strecken und sorgt damit für eine stärkere Klimabelastung.

Darüber hinaus können die kargen Schottergärten – im Gegensatz zu begrünten Gartenflächen – keinen Feinstaub und kein CO2 aus der Luft binden, sie tragen nichts zur Sauerstoffproduktion bei. Anders als vielfältig bepflanzte und reich strukturierte innerstädtische Gärten bieten sie der heimischen Vogel- und Insektenwelt keinerlei Rückzugsorte, Nistplätze oder Nahrung und sind dadurch mitverantwortlich für den Rückgang der Artenvielfalt im städtischen Raum, der im ländlichen Raum schon alarmierende Ausmaße angenommen hat.

Vielen Menschen sind diese Probleme nicht bewusst bzw. sie halten Schottergärten mit Minimalbepflanzung für eine pflegeleichte und arbeitsarme Lösung für ihre Gartenflächen, schließlich glauben sie hier kein Unkraut jäten, nicht düngen, den Rasen mähen oder übermäßig viele Pflanzen gießen zu müssen. Dass dem keinesfalls so ist, sondern im Gegenteil diese Bewirtschaftung meist bereits ab dem zweiten Jahr gleich viel oder sogar deutlich mehr „Arbeit“ macht, wissen viele schlicht nicht: Heruntergefallenes Laub umliegender Bäume und Sträucher kann schwerer zusammengetragen werden, Moose und Flechten können sich ansiedeln, zwischen den Steinen sammeln sich Sand und/oder Humus und eingetragene Pflanzensamen lassen hier Spontanvegetation – das vermeintliche „Unkraut“ – sprießen.

Aus ökologischer Sicht ist diese Entwicklung zu begrüßen. Aus der vegetationslosen Steinwüste würde so auch fast ohne menschliches Zutun mit der Zeit wieder eine naturnähere Fläche werden. Will man aber den vegetationsarmen sterilen Schottergarten erhalten, muss entweder viel Handarbeit geleistet werden oder es wird unzulässigerweise Gift verwendet. Auch Abflammen ist nicht unbedingt eine gute Lösung, vor allem nicht, wenn brennbare Folien als Untergrund unter dem Schotter liegen.

Ein wichtiger Unterschied: sterile Schottergärten vs. naturnahe Steingärten

Unterschieden werden muss an dieser Stelle zwischen dem klassischen sterilen Schottergarten und Kiesgärten bzw. Kiesbeeten sowie Stein- und Geröllgärten, die durchaus sehr naturnah und artenreich sein können und damit auch seltenen Pflanzen- und Tierarten, z. B. solitärlebenden Wildbienen, die sich in offeneren Flächen heimisch fühlen, Lebensraum bieten können.

Wichtigster Unterschied ist, dass z. B. ein Kiesbeet keine abdichtende Folie unter dem Kies haben sollte. Im Kiesbeet ersetzen die Steine nicht die Vegetation, sondern sie bilden das Substrat für oft sehr attraktive und blühfreudige an magere Standorte angepasste Spezialisten unter den Stauden.

Umwandlungsmöglichkeiten

Ein Schottergarten kann nur mit viel Aufwand dauerhaft in seinem sterilen Zustand gehalten werden, mit relativ wenig Aufwand kann aber die Umwandlung in eine attraktive und ökologisch wertvolle Blühfläche gelingen. Entfernen sie am besten die Folie unter dem Schotter oder dem Kies. Wenn dies nicht geht, kann die Folie auch geschlitzt und durchlöchert werden, um den zukünftigen Blühstauden das Einwurzeln in den Boden zu erleichtern. Wenn die Schotter- oder Kiesschicht nicht dicker als zehn Zentimeter ist, können an trockene und magere Standorte angepasste Stauden direkt in das Schotter- oder Kiesbett gepflanzt werden, fünf bis zehn Pflanzen pro Quadratmeter sollten es schon sein.

Alternativ kann der Schottergarten auch durch Einsaat in eine Blühfläche verwandelt werden. Auch hier sollte die Folie entfernt oder zumindest durchlöchert werden. Mit etwas Sand und torffreier Blumenerde wird in den Lücken zwischen den Steinen ein Saatbett vorbereitet. Dann kann die Aussaat mit einer Blühflächenmischung mit möglichst heimischen Wildstauden erfolgen.

Informationen und Beratungsmöglichkeiten in Rendsburg

Bürgerinnen und Bürger, die mehr über die naturnahe Gestaltung ihrer Gärten und Rückbaumöglichkeiten von Schottergärten wissen möchten, können sich gerne an Frau Schönbach und Frau Kroglowski aus dem Fachbereich Tiefbau wenden:

Kontakt
Melanie Kroglowski
Stephanie Schönbach

Auch das Aktionsnetzwerk „Gärten der Vielfalt“ steht als Ansprechpartner bereit. Das Netzwerk hat Mitte März (gemeinsam mit der i&k software GmbH) den Wettbewerb „Naturnaher Garten“ in Rendsburg und Büdelsdorf ausgelobt. Einsendeschluss ist der 31. Mai 2022, zu gewinnen gibt es Preise im Gesamtwert von 1000 Euro. Die Wettbewerbsunterlagen und weitere Informationen finden Sie hier auf unserer Webseite.

Mitmachen können alle Hobbygärtnerinnen und -gärtner, die ein kleines Paradies für Bienen und Schmetterlinge geschaffen haben, das sich durch eine nachhaltige Bauweise und Bewirtschaftung auszeichnet.

Kontakt
Stichwort: „Gärten der Vielfalt“
Dieter Neumann
Telefon: +49 4331 32588
E-Mail: neumann[at]naturfreunde-sh.de

Online informieren

Eine gute Übersicht über die Nachteile von Schottergärten bietet der Flyer vom BUND SH: https://www.bund-sh.de/publikationen/detail/publication/schottergaerten-voll-im-trend/

Wissenswertes zum Thema Boden findet sich in der Broschüre „Boden schützen leicht gemacht“ des Umweltbundesamtes. Unter folgendem Link finden Sie diese zum Download: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/boden-schuetzen-leicht-gemacht

Weitere Informationen rund um naturnahes Stadtgrün finden sich auf der Webseite der Kommunen für biologische Vielfalt e. V.: https://www.kommbio.de

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