Es ist ein Termin mit Symbolkraft gewesen: Dr. Issifi Djibey hat sich im Beisein von Weggefährten, Vertretern der Ratsversammlung und Bürgermeisterin Janet Sönnichsen in das Goldene Buch der Stadt Rendsburg eingetragen. Seit Februar trägt der Mediziner und Brückenbauer einen außergewöhnlichen Titel: Er wurde zum König von Kokorou im westafrikanischen Niger gewählt – einer Region mit rund 200.000 Einwohnern, verteilt auf etwa 80 Dörfer auf einer Fläche so groß wie das Saarland.
Die Bürgermeisterin begrüßte ihn bei dem Empfang mit den Worten „ehrenwerter König von Kokorou“ und würdigte sein langjähriges Engagement zwischen Deutschland und Niger. Auch andere Teilnehmer zeigten sich beeindruckt. „Es ist großartig, was er für Brücken bauen und wie er Vorbehalte abbauen kann“, hieß es während des Termins. Für Djibey selbst ist die neue Aufgabe vor allem Verantwortung. „Ich bin jetzt Pendler zwischen zwei Welten“, sagte er. Einerseits lebt er seit vielen Jahren in Deutschland und war hier als Mediziner tätig, andererseits wird er künftig immer häufiger in Niger gebraucht werden. Denn die Lage dort ist angespannt. Dschihadistische Gruppen bedrohen ganze Regionen, Reisen sind gefährlich geworden. „Ich kann mich nicht ohne Geleitschutz bewegen“, berichtete er. Vier Männer sorgten ständig für seine Sicherheit.
Zwei Jahre lang hatte er Wahlkampf geführt. Insgesamt neun Kandidaten waren angetreten. Der Aufwand war enorm – körperlich ebenfalls. „Ich habe sieben Kilo verloren“, erzählte Djibey. Gewählt wurde er auf Lebenszeit. In seiner Ansprache berichtete der neue König offen über die Herausforderungen seiner Heimat. Niger verfüge zwar über eines der größten Uranvorkommen der Welt, doch Korruption verhindere, dass der Reichtum bei der Bevölkerung ankomme. Gleichzeitig bedrohten Terror und Unsicherheit die Versorgung vieler Menschen. Besonders wichtig sei deshalb die Sicherung der Landwirtschaft. „Das Militär muss die Felder absichern, damit eine Hungersnot verhindert wird“, sagte Djibey. Als nächsten Schritt wolle er daher Gespräche mit dem Innen- und auch mit dem Verteidigungsminister führen. „Nur die können helfen, Frieden zu bringen.“
Trotz aller Probleme blickt Djibey auch mit Hoffnung auf die Entwicklung seines Landes. Als er selbst das Abitur machte, habe es im ganzen Land lediglich ein Gymnasium gegeben. „Wir waren damals nur 19 Abiturienten“, erinnerte er sich. Heute gebe es deutlich mehr Schulen und Bildungsmöglichkeiten.
Sein eigenes Leben steht seit Jahrzehnten für den Austausch zwischen den Kulturen. Zum Studium kam Djibey einst nach Deutschland, nach Gießen. Als Arzt engagierte er sich später intensiv für medizinische Hilfe in Niger. Durch seine Initiative wurden Augenoperationen ermöglicht, rund 1200 Menschen konnten operiert und etwa 5000 behandelt werden. Außerdem organisierte er Containertransporte mit Dialysegeräten und Augenmikroskopen. Dass dieser Einsatz weit über medizinische Hilfe hinausgeht, wurde bei der Feierstunde in Rendsburg deutlich. Mit seiner Wahl zum König von Kokorou ist Dr. Issifi Djibey nicht nur traditionelles Oberhaupt einer großen Region geworden. Er versteht sich auch als Vermittler – zwischen Kontinenten, Kulturen und politischen Welten.
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